Montag, 16. April 2012

Fright Zone - Trap-Filled Strangehold of Terror (Mattel 1985)

Als Kind verbrachte ich oft Ewigkeiten vor den mit MotU angefüllten Ladenregalen, um mir die Artworks auf den Boxen anzusehen. So kam es mir jedenfalls vor. Und doch war es immer viel zu kurz, wenn die Eltern von den Käse- und Wursttheken mit prallen Einkaufswagen kamen, um die Kinder einzusammeln und mit dem Großeinkauf auf den Heimweg zu bringen.

All meine sehnsüchtigen Blicke halfen jedoch nichts. Ich sollte als Sprössling niemals in den Besitz eines solchen Ungetüms kommen, deren OVPs mich damals regelrecht zu erschlagen drohten. (Ich meine wegen ihrer physischen Größe jetzt.) Was mir blieb war das Studieren, In-Mich-Aufsagen der Artworks auf der Umverpackung, die ich voraussichtlich erst vier Wochen später, beim nächsten Famila-Großeinkauf, zu Gesicht bekommen sollte. Solange musste ich aushalten.

Kürzlich bin ich 30 geworden und offenbar kein Stück gereift. Momentan habe ich wieder ein paar schicke MotU Playsets samt OVPs im Haus, an denen ich mich gerade nicht satt sehen kann. Bevor die schönen Stücke ihren Besitzer wechseln, will ich daher die Zeit nutzen, um sie für den Blog etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Heute stand die Burg der Evil Horde auf dem Programm - die Fright Zone, the trap-filled strangehold of terror. Oh yes, und der Name ist Programm! Das Playset ist gespickt mit Fallen, mit denen der böse Hexenmeister Hordak, der einst Lehrer Skeletors war, seine Feinde zur Strecke bringt. Eine schöne Übersicht der Features, über die die Festung verfügt, befindet sich auf der Rückseite der Box.



In der Bodenplatte versteckt sich ein Steinmonster, dessen Maul die Füße der Helden einfangen kann, um diese dann direkt der großen, heute leider fast immer ledierten Schlangen-Handpuppe aus Gummi zum Fraß vorzuwerfen. Was nicht gleich an das Biest verfüttert wird, landet im finsteren Kerker der Fright Zone und kann dort schmachten, bis sich der Weichmacher vom Plastik löst. Anhand eines Hebels auf der Oberseite der Burg, lässt sich das Holzgittertüren-Imitat öffnen und verschließen. Wer dabei nicht aufpasst, verfängt sich schon mal in den Ästen des Geisterbaums, der in der Mitte der Bögen, auf der oberen Ebene des Playsets steht.



Was mich an dem ausgepackten Playset besonders reizt, sind die Details: Obere und untere Ebene sind durch einen Treppenlauf auf der linken Seite miteinander verbunden. Dahinter deutet sich ein weiteres Steinverließ an. In den Ästen des Baums sitzen drei Geier (oder Raben?), die darauf warten, den toten Recken das Fleisch von den Knochen zu picken. Im Kerker gibt es eben diese zu entdecken. Den Torbogen über dem Gittertor ziert ein "steinerner" Hordak-Kopf. Das Wurzelwerk des Geisterbaums durchwächst hier und dort das zerklüftete Gestein.

Gekrönt wird das Ganze natürlich vom phänomenalen Artwork William Georges, auf der Box der Fright Zone. Gezeigt wird BA He-Man, wie er mit der Riesenschlange kämpft, vermutlich um seinen Freund Buzz-Off, den Wespenmann, aus dem Kerker zu befreien. Gleichzeitig hat Skeletor sich im Astwerk des Baums verfangen, derweil Hordak mit seiner roten Fledermaus auf dem Arm herbeieilt, um sich das Spektakel nicht entgehen zu lassen.

Ich konnte mir es ebenfalls nicht entgehen lassen, diese Szene gewissermaßen "live" nachzuempfinden. Schließlich habe ich in dieser Angelegenheit immer noch was nachzuholen, wo ich dieses absolut geile Playset als Kind doch niemals besessen habe!

Freilich ist die Fright Zone nüchtern betrachtet nichts anderes als ein großer Haufen Plastikschrott, dessen Qualität zuweilen zu wünschen übrig lässt. Von dem Steinmonster im Boden brechen schnell mal die Zapfen ab. Ebenso an den Verschlüssen! Der Baum ist anfällig für Risse und verliert auch schon mal einen Ast. Beim Gittertor brechen gern die "Scharniere" ab. Auch der Riegel-Mechanismus ist vor der Entropie nicht gefeit! Am aller Übelsten aber sieht meist die Schlange aus, die sich nach nun fast 30 Jahren in Auflösung übt und übersät ist von Rissen, Weichmacherschäden und Farbablösungen.

Gebaut für die Ewigkeit ist solch ein Playset leider nicht, wie alles auf der Welt. Dennoch vermag mich sein Anblick immer wieder in jene "ewigen" Kindheitstage zurückzuversetzen, in denen ich vor den prall gefüllten Kaufhausregalen stand und mir nichts sehnlicher wünschte, als einmal in meinem Leben ein solches Ungetüm mein eigen nennen zu dürfen.













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