Samstag, 24. September 2011

MASK Bullet / Bandit (Kenner 1985)

Meine Eltern befanden sich damals in einem Dilemma. Aus pädagogischem Grund wollten sie mir nicht einfach jeden (aus ihrem Blickwinkel kriegsverherrlichenden) Schund schenken, auf den man als Junge so abfährt. Andererseits wollten sie auch ein glückliches Kind haben, dem man hin und wieder einen Wunsch erfüllt.

Die Lösung des Problems lautete MASK. MASK hatte damals alles, was ein klassisches Actiontoy der 80er ausmacht: Coole Farben, geiles Aussehen und (vor allem!) Waffen. Was friedliebende Eltern der 80er wie den meinen an MASK allerdings begrüßten, war der "kreative", "mehrdimensionale" Charakter. Ähnlich wie bei den Transformers konnten hier Fahrzeuge in andere Fahrzeuge verwandelt werden, weshalb meine Eltern MASK gegenüber anderen, "eindimensionalen" Actiontoys passieren ließen.


Ich fürchte in keinem anderen Land wurden so viele Debatten über "gefährliches" Spielzeug geführt, wie in Deutschland, was zum größten Teil historische Ursachen hat. Schließlich war die uns großziehende Generation selbst in dem Bewusstsein herangewachsen, dass Krieg und Gewalt schlimme Dinge sind. Im krassen Gegensatz dazu stand jedoch die permanente Gefechtsstellung, in der sich der kapitalistische "Westen" und der sozialistische "Osten" auch noch in den 80er Jahren befanden. Und da Toys in keinem politischen Vakuum geschaffen werden, reflektierte sich diese ideologische Auseinandersetzung auch in den Spielzeugen, die damals auf den Markt kamen.


Die Hintergrundstory von MASK beschreibt genau diesen Zustand der permanenten Gefechtsstellung: Die Welt lebt in der steten Gefahr, von einer bösen Macht namens VENOM angegriffen zu werden. Wenn es jedoch zum Angriff kommt, werden aus normalen Bürgern "Soldaten", deren Fahrzeuge sich in Waffen im erfolgreichen Kampf gegen den Feind der Freiheit verwandeln.


Es liegt auf der Hand, dass diese Herkunft der MASK-Toys nicht gänzlich verschleiert werden konnte. Da half es reichlich wenig, dass für den deutschen Markt das MASK-Symbol entschärft wurde. (In der US-Version befindet sich eine abgeschossene (Atom?-) Rakete.) Dennoch war es meinen Eltern in gewisser Weise geglückt, die harte Tatsachensprache der Realität, die damals herrschte, vor mir zu verbergen. Die permanente Bedrohung der gegenseitigen, atomaren Auslöschung war mir als Kind überhaupt nicht bewusst gewesen. In der Retrospektive muss ich jedoch feststellen, dass es gerade dieser Zustand gewesen ist, der uns Kindern der 80er die besten Toys beschieden hat, die jemals das Licht der Welt erblickt haben - so absurd das auch klingen mag.

Man beachte den Unterschied des entschärften Logos für den deutschen
Markt, im Gegensatz zum US-Logo oben.   
Mein erstes MASK-Toy war Bullet. Womit der Auftakt zu einer gigantischen Kollektion gesetzt wurde, in deren Besitz ich im Laufe der Jahre kommen sollte (und die ich leider, als Teenie, nach dem Fall des "Eisernen Vorhangs", auf Flohmärkten für viel zu wenig Geld wieder verscherbelte).

Bullet kam mit Ali Bombay, dessen Aussehen für mich heute immer noch etwas von einem japanischen Kamikaze-Flieger hat. Ganz so kriegerisch gab sich das Toy jedoch nicht, das sich von einem Rennmotorrad in ein Hovercraft verwandeln ließ. Wenn ich es recht bedenke, ist das Toy sogar das am wenigsten kriegslastige von allen MASK-Toys. Weshalb die Wahl der Eltern vermutlich auch genau auf dieses und kein anderes fiel.

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