Donnerstag, 11. August 2011

Rambo (Coleco 1986)

Rambo ist Kultur. Das meine ich ernst, tot ernst. Ich kann mich an unzählige Diskussionen mit meinem alten Herren erinnern, die sich genau um diesen Punkt drehten: Handelt es sich bei Rambo nun um Kunst oder Schrott?


Zunächst kommt es natürlich auf die Definition an, was der Einzelne unter Kunst bzw. Kultur versteht und ob Rambo dem hinzuzurechnen ist. Kunst bzw. Kultur ist für mich (auch) das Festhalten einer bestimmten "Geisteshaltung" oder eines Gedankens mittels einer "Form". Die Form ist etwas künstlich Geschaffenes, ein Bild, eine Statue, ein Film oder auch - ganz genau - eine Actionfigur. Diese Form ist ein Symbol, ein Ideal; Ausdruck eines Zeitgeistes oder Augenblicks, der Zeitgenossen und Folgegenerationen Aufschluss darüber gibt, wie die "Wirklichkeit" ihrer Schöpfer aussieht bzw. idealerweise aussehen sollte.

Die Kunst verleiht einer Epoche ihr Gesicht. Und genau dies hat die Figur Rambos zum Ende des 20. Jahrhunderts wie kaum eine andere getan.

Der Held aus der Cartoon Serie Rambo: The Force of Freedom
Der Auftritt Rambos fällt in eine Zeit, in der das kollektive Selbstbewusstein der U.S.A schweren Schiffbruch erlitten hat. Das Buch First Blood von David Morell erschien 1972, als der Krieg in Vietnam so gut wie verloren war. In dem Buch ist Rambo nicht der Held, wie er in den Kinofilmen Rambo II und III vorgestellt wird. Nein, selbst im gleichnamigen Film First Blood von 1982 ist Rambo kein Held sondern ein Opfer; eines, das zum Täter wird, da ein Land, für das er im Krieg sein Leben riskiert hat, nichts als Ablehnung für ihn übrig hat.

Erst mit Rambo II wird der Outlaw Rambo zum Superhelden stilisiert, die One-Man-Army John J., die ganze Einheiten im vietnamesischen Dschungel kalt stellt.

Rambo als Kunst oder Kultur verkörpert zunächst das schlechte Gewissen und das angeschlagene Selbstbewusstein Amerikas. Wird dann aber als Symbol des Patriotismus und der Stärke zu dem, als was sich die stolze US-Nation im Krieg gern gesehen hätte: als einen gnadenlosen, siegreichen Guerilla-Kämpfer, der das seine "Heimat nennt, was andere Hölle nennen".

Auch für die Jüngsten wusste man Rambo geschickt als Ideal für einen aufrechten Patrioten zu inszenieren. 1986 startete die Cartoon Serie Rambo: The Force of Freedom, in der der Held zusammen mit seinen Compagnons die US-Amerikanische Freiheit gegen die Schurken aus dem kommunistischen Osten verteidigt. Begleitet wurde dies von einer eigenen Action-Toy-Line aus dem Hause Coleco.

Als Actionfiguren-Sammler, der sich laut meiner oben gelieferten Definition ebenso als Kunst-Sammler versteht, kann ich mich seit Kurzem als glücklicher Besitzer der "klassischen" Rambo-Actionfigur von 1986 schätzen: eines, in meinen Begriffen, ausgesprochenen Kunstwerks, formgewordener Ausdruck eines ganz bestimmten, einzigartigen Zeitgeistes, wie er nur für die zweite Hälfte der 1980er Jahre typisch ist.

Eine Rambo-Actionfigur, werte Zweifler - ganz Recht -, ist auch Kultur! Niemand würde dies einer Vase aus der Ming-Dynastie oder einer Zeichnung von Da Vinci absprechen, die, als Artefakte oder Kunstgegenstände in Museen ausgestellt, uns von vergangenen Epochen berichten. Warum sollte das bei einer Rambo-Actionfigur etwas anderes sein.

Cardback der Rambo-Actionfigur von 1986, mit Übersicht erhältlicher 
Actionfiguren der Toy-Line

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